Das Ende der Ära „Ein Experte, ein Kurs“

Das Ende der Ära „Ein Experte, ein Kurs“!

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by Liubomyr Sirskyi
Copywriter at Kwiga

Noch vor nicht allzu langer Zeit war der Ansatz für Online-Bildung recht einfach. Ein Experte entschied sich, einen Kurs zu einem bestimmten Thema zu erstellen, zeichnete ihn auf und verkaufte ihn als Lösung für ein konkretes Problem. Dieser Ansatz ergab durchaus Sinn. Warum sollte man sich nicht alle Informationen von jemandem holen, der bereits erfolgreich, erfahren und selbstbewusst ist?

Dieser Ansatz war zumindest für eine gewisse Zeit erfolgreich. Das Markttempo war langsamer, die Entwicklung von Fähigkeiten verlief langsamer, und die Bereitschaft, lange Videos mit nur einer Stimme anzusehen, war höher. Das Versprechen eines Kurses bestand darin, in einer chaotischen Welt ein Gefühl von Ordnung zu vermitteln, und viele Kurse konnten dieses Gefühl tatsächlich liefern.

Doch die Bedingungen, die diesen Ansatz so erfolgreich gemacht haben, existieren heute nicht mehr. Das Tempo der Branche hat sich so stark beschleunigt, dass es unmöglich ist, Schritt zu halten. Die Entwicklung von Tools schreitet so schnell voran, dass bewährte Methoden innerhalb weniger Monate veralten. Der Ansatz, sich auf eine einzige Perspektive zu verlassen – egal wie gut sie ist – kann mit diesem Tempo nicht mithalten.

Außerdem hat sich die Herangehensweise der heutigen Lernenden verändert. Sie wollen keinen Helden; sie wollen eine Lösung. Sie möchten Antworten auf ihre Fragen, verschiedene Perspektiven und Informationen, die ständig aktualisiert werden, um die sich verändernde Realität der Welt widerzuspiegeln. Wenn ein Kurs vom Wissen, der Zeit und den Meinungen einer einzelnen Person abhängt, wird er zu einer äußerst instabilen Lösung.

Deshalb geht der Ansatz „ein Experte, ein Kurs“ zu Ende. Nicht, weil die Experten selbst nicht gut genug wären, sondern weil sich die Art des Lernens einfach verändert hat.

Was sich in Bildung und Wissenskonsum verändert hat

Die größte Veränderung ist jedoch die Geschwindigkeit. Fähigkeiten, die früher viele Jahre nützlich waren, sind heute nach wenigen Monaten veraltet. Ständig entstehen neue Tools. Die Regeln unterscheiden sich je nach Plattform. Die Welt passt sich wirtschaftlichen Veränderungen, Vorschriften und neuen Werkzeugen viel schneller an, als ein Kurs aktualisiert werden kann.

Gleichzeitig hat sich auch die Art verändert, wie Menschen Informationen konsumieren. Sie wollen keine langen Erklärungen mehr lesen, die auf theoretischer Ebene beginnen und auf einer vagen motivierenden Note enden. Sie wollen Antworten, die sie sofort nutzen können. Sie wollen Beispiele, Kontext und Beweise dafür, dass etwas unter realen Bedingungen tatsächlich funktioniert.

Auch die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen hat sich verändert. Es ist nicht so, dass sie kein Interesse haben – sie sind einfach effizient. Sie vergleichen Kurse mit Echtzeit-Inhalten, Communities und Gesprächen. Wenn ein Kurs ihnen nicht hilft, schnell voranzukommen, bleiben sie nicht dabei, ein Video anzusehen oder einen Blogbeitrag zu lesen.

Die nächste Veränderung betrifft den Zugang. Menschen sind gleichzeitig vielen Experten ausgesetzt. Sie hören Podcasts, lesen Newsletter und treten Social-Media-Gruppen bei. Sie erhalten viele Meinungen auf einmal. Wenn ein Kurs eine einzige Meinung präsentiert, als wäre sie die einzig richtige, haben sie das Gefühl, nicht genug zu bekommen.

Eine weitere Veränderung ist, dass Ergebnisse heute viel wichtiger sind als Qualifikationen. Es ist den Menschen egal, wer unterrichtet. Sie wollen wissen, was sie nach Abschluss eines Kurses tatsächlich können. Sie möchten keine Zeit verschwenden. Wenn ein Kurs ihnen keine realen Fähigkeiten vermittelt, bleiben sie nicht lange dabei.

Die Welt hat sich von einem Bildungsmodell, bei dem man Wissen konsumiert, zu einem Modell gewandelt, bei dem man Wissen anwendet. Und das ist ein Problem für jedes Modell, das auf einer einzigen Person basiert.

Die Grenzen eines einzelnen Experten

Unabhängig davon, wie gut Experten in ihrem Fachgebiet sind, kann ein einzelner Mensch nur begrenzt viel leisten. Jeder Experte hat seine eigenen Stärken und Schwächen, und was in einer Situation funktioniert hat, funktioniert in einer anderen nicht unbedingt. Wenn ein Kurs auf dem Fachwissen einer einzigen Person aufbaut, werden deren Grenzen Teil des Produkts.

Wissen altert schneller als persönliche Marken

Ein Experte kann einen Kurs voller wertvoller Informationen erstellen, doch es kostet Zeit und Geld, ihn aktuell zu halten. Die Realität ist, dass viele Kurse seit Jahren nicht mehr aktualisiert wurden und die präsentierten Informationen nicht mehr korrekt sind – oft ohne dass die Person es bemerkt.

Persönliche Voreingenommenheit

Voreingenommenheit ist ein weiteres Problem. Experten lehren oft das, was für sie funktioniert hat, nicht das, was allgemein funktioniert. Ihr eigener Weg zum Erfolg wird zum Rahmenwerk, selbst wenn er nicht mehr anwendbar ist. Ohne alternative Sichtweisen können Lernende nicht erkennen, was möglicherweise nicht funktioniert.

Praktische Grenzen

Es gibt auch die Realität, dass eine einzelne Person nur begrenzt viel leisten kann. Je mehr Menschen durch die von ihr erstellten Kurse erreicht werden, desto stärker sinkt die Qualität der Unterstützung. Die Person kann nur so viel leisten. Sie kann nur eine bestimmte Menge an Informationen und Unterstützung bieten, bevor es überwältigend wird. Irgendwann wird sie zum Engpass.

Keines dieser Probleme macht Experten weniger wertvoll. Doch Lernen, das auf einer einzigen Stimme basiert, passt sich nur langsam an und lässt sich schwer skalieren.

Wie Studierende heute tatsächlich lernen

Der heutige Lernprozess gleicht eher einer Schleife. Eine Person lernt etwas, versucht es anzuwenden, scheitert und kehrt dann zurück, um es erneut zu versuchen. Der Prozess ist eher kreisförmig als linear – Menschen wechseln ständig zwischen Theorie und Praxis, anstatt zuerst alles zu lernen und erst dann zu beginnen.

Heutige Lernende nutzen außerdem mehrere Informationsquellen. Sie beschäftigen sich mit einem Thema, indem sie verschiedene Quellen lesen und das Gelernte anwenden. Eine Person erklärt das „Warum“ hinter einem Prozess, eine andere das „Wie“, und eine dritte zeigt, wie es im echten Leben gescheitert ist. Deshalb ist es nicht möglich, dass ein einzelner Kurs für sich allein genug Informationen zu einem Thema liefert.

Eine weitere Veränderung im Lernprozess ist die Einbindung von Communities. Lernende lernen heute, indem sie sich mit Menschen umgeben, die nur wenig weiter sind als sie selbst. Sie stellen Fragen, erhalten Feedback und Informationen von anderen. Sie lernen, indem sie sehen, wie andere gescheitert sind und ihren Lernprozess angepasst haben.

Dies kann den Lernenden unterstützen. Dies kann durch die Zusammenarbeit mit Experten oder Mentoren im jeweiligen Bereich geschehen. Der Wert liegt nicht mehr im Besitz von Inhalten, sondern in deren guter Kuratierung.

Eine weitere Veränderung im Lernprozess besteht darin, dass Menschen nur dann lernen wollen, wenn sie ein konkretes Problem haben:

  • Sie möchten unterwegs lernen, ohne vorher alles lernen zu müssen.

  • Sie möchten Lernen in kleinen Häppchen und nicht lang und ausgedehnt.

  • Sie möchten Lernen, das nicht innerhalb einer Woche veraltet.

Vielleicht die wichtigste Veränderung im Lernprozess ist, dass Menschen Lernen wollen, das sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Sie möchten Lernangebote, die Updates und neue Beispiele liefern. Sie möchten Lernen, das nicht innerhalb einer Woche veraltet.

Der Aufstieg von Multi-Experten- und modularen Modellen

Mit der Weiterentwicklung des Lernens haben sich auch die Formate verändert. Statt dass ein einzelner Experte den gesamten Kurs anbietet, entstehen viele Kurse heute durch Teams. Das bedeutet, dass jedes Mitglied einen Bereich beigetragen hat, in dem es aktuelle praktische Erfahrung besitzt.

Dies führt zu größerer Modularität. Statt eines gesamten Kurses zu einem einzigen Thema wird der Inhalt in kleinere Teile aufgeteilt, die konkrete Probleme ansprechen. So können Lernende an unterschiedlichen Stellen in den Kurs einsteigen und nur das wiederholen, was sie verpasst haben. Außerdem macht dies den Lernprozess ehrlicher.

Das Multi-Experten-Modell hat zudem den Vorteil, leichter aktualisiert werden zu können. Wenn sich ein Tool oder eine Methode ändert, kann ein bestimmter Abschnitt überarbeitet werden, ohne den gesamten Kurs neu aufzubauen.

Ein weiterer Vorteil des Multi-Experten-Modells ist die Ausgewogenheit. Ein einzelner Experte kann eine bestimmte Sichtweise auf ein Thema haben, während ein Team verschiedene Perspektiven einbringt. Dadurch können Lernende unterschiedliche Seiten sehen und die jeweiligen Abwägungen besser verstehen.

Das bedeutet nicht, dass Expertise verschwunden ist – sie wurde neu verteilt. Lernen wurde systematisiert.

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Was das für Kursersteller bedeutet

Für Kursersteller verändert dieser Wandel ihre Rolle. Der Fokus liegt nicht mehr darauf, die Autoritätsperson zu sein, sondern darauf, das Lernsystem zu gestalten. Die Frage lautet nicht mehr: „Was weiß ich?“, sondern vielmehr: „Was muss der Lernende wissen, und wer kann mir helfen, das zu vermitteln?“

Dies kann durch die Zusammenarbeit mit anderen geschehen, die den Lernenden unterstützen können – etwa mit Experten oder Mentoren aus dem jeweiligen Bereich. Der Wert liegt nicht mehr im Besitz von Inhalten, sondern in deren guter Kuratierung.

Dies gilt auch für die Pflege des Kurses. Ein Kurs ist kein einmaliges Produkt mehr, das nach dem Launch abgeschlossen ist, sondern ein sich entwickelndes Angebot, das Wartung und Iteration erfordert. Das mag mehr Arbeit bedeuten, aber der Druck, perfekt zu sein, nimmt ab. Kursersteller müssen nicht mehr alles wissen, da der Zwang, die alleinige Autorität zu sein, entfällt.

Was das für Lernende bedeutet

Dieser Wandel wird für Lernende größtenteils gute Nachrichten sein. Ihnen werden keine unrealistischen Ziele mehr versprochen. Stattdessen können sie Fähigkeiten aus verschiedenen Perspektiven aufbauen und sich schnell an Veränderungen anpassen.

Die Erwartungen werden ebenfalls realistischer

Niemand kann garantieren, nach Abschluss eines Kurses ein Experte zu sein. Heutiges Lernen dreht sich um Fortschritt, nicht um Transformation. Menschen können Fähigkeiten aufbauen und sie sofort anwenden.

Auch die Auswahl von Kursen wird sich verändern

Statt nach einem einzelnen Experten zu suchen, sollten Lernende darauf achten, wie der Kurs erstellt wurde. Wichtige Signale sind die Zusammenarbeit vieler Personen, regelmäßige Updates, Praxisbeispiele und eine Community.

Die Lernenden müssen zudem selbstständiger werden

Durch modulares Lernen können sie flexibler sein, müssen jedoch selbst erkennen, welches Problem sie als Nächstes lösen möchten.

Der Lernende wird kein passiver Schüler mehr sein. In diesem neuen Modell ist er ein aktiver Lernender. Der Wert liegt nicht mehr im bloßen Konsum von Inhalten.

Praktische Tipps zur Anpassung an das neue Modell

Diese Veränderung betrifft alle, die an Bildung beteiligt sind. Hier sind einige Möglichkeiten, wie sich Experten anpassen können, wenn sie Einzelkurse hinter sich lassen:

  • Konzentriere dich auf ein Fachgebiet, statt alles abdecken zu wollen

  • Arbeite mit Praktikern zusammen, die neue praktische Erfahrungen einbringen

  • Erwäge, Module oder Workshops beizutragen statt vollständiger Kurse

  • Aktualisiere kleinere Inhalte häufiger

Und hier sind einige Möglichkeiten, wie sich Experten, die an neuen Bildungsprodukten arbeiten, anpassen können:

  • Gestalte Kurse problemorientiert statt themenorientiert

  • Mache Inhalte modular, damit sie leicht verändert werden können

  • Erstelle frühzeitig Feedback-Schleifen mit Lernenden

  • Nutze viele Arten von Lektionen, Fallstudien, Diskussionen und Übungen

  • Betrachte Kurse als sich entwickelnde Produkte statt als statische Inhalte

Und schließlich einige Möglichkeiten, wie sich Lernende anpassen können:

  • Identifiziere dein Problem, bevor du etwas kaufst

  • Nutze viele Informationsquellen statt nur eines Kurses

  • Suche nach aktiven Communities und häufigen Updates

  • Wende das Gelernte sofort an, auch wenn es nur wenig ist

Die Idee ist, dass Bildung flexibel sein muss, da sich die Dinge ständig ändern. Der beste Weg für Bildung heute führt über Systeme statt über reine Inhalte und über Zusammenarbeit statt Isolation.

Fazit

Die Zeiten von „ein Experte, ein Kurs“ gehen zu Ende. Lernen ist heute ein sich ständig wandelndes Set von Fähigkeiten. Die Kontexte, in denen Menschen lernen, unterscheiden sich stark. Es gibt einen neuen Fokus auf Zusammenarbeit, Modularität und kontinuierliche Aktualisierungen.

Am wirkungsvollsten ist Lernen jedoch in Kombination mit anderen Perspektiven, realen Praxisbeispielen und Feedback. Lernen ist stärker, wenn es widerspiegelt, wie Dinge tatsächlich umgesetzt werden. Und genau dort wird es wieder wirklich nützlich.

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